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Ein Bericht der Gruppe Schönbuch vom 28.04.2016

Pünktlich um 14.30 Uhr betraten Herr Bibow und ich den Gruppenraum. Wie immer standen bereits die belegten Brötchen, Kaffee und Getränke auf dem Tisch.

Wir danken Herrn Professor Benz sowie seiner lieben Sekretärin Frau Decker für ihre Hilfe und Unterstützung. Sie haben alles veranlasst, dass wir immer einen Gruppenraum mit der dazugehörigen Technik vorfinden, gut versorgt werden und alles reibungslos abläuft.

Voller Erwartung standen die ersten Gruppenmitglieder zusammen, erzählten und scherzten miteinander. Unser Hans-Jürgen und seine Frau kamen heute nach längerer Pause wieder in die Gruppe und hatten so einiges an Neuem in ihrem Gepäck.

Doch es war heute ein besonderer Tag: wir erwarteten Frau Anja Stedtler von der Fa. Mylan, die uns mit einem Fachvortrag über die Funktionen der Bauchspeicheldrüse und von Enzymen informieren wollte. Wir alle waren gespannt, denn dies ist ein Thema, das immer und immer wieder angesprochen und vertieft werden muss.

Doch bevor Frau Stedtler mit ihrem Vortrag beginnen konnte, musste ich in meiner Funktion als Gruppenleiterin der Gruppe erklären, dass wir wieder ein Mitglied unserer Gruppe für immer verloren haben. Aus Erfahrung weiß ich, dass es immer für die Betroffenen und deren Angehörige bedrückend ist zu hören, dass wieder einmal der Krebs stärker war und der Kampf verloren ist. Doch leider ist das in unseren Gruppen immer wieder der Fall und wir müssen damit umgehen. Für mich ist es nicht leicht, den Tod eines Gruppenmitglieds zu verkünden und gleichzeitig den anderen, die in der Runde sitzen, weiterhin Mut zum Kämpfen zu vermitteln. Traurig und wortlos saßen wir da und jeder versuchte, in sich hinein zu hören. Deshalb entschloss ich mich, eine Schweigeminute einzulegen, damit jeder seinen Gedanken freien Lauf lassen konnte.So einen Beginn hatte sich Frau Stedtler sicher nicht gewünscht und sie hatte es jetzt nicht leicht, einen Übergang zu schaffen. Behutsam sprach sie über das, was sie gerade erlebte und spannte dabei den Bogen zu ihrem aktuellen Thema.

Schon bei der Funktion der Bauchspeicheldrüse kamen erste Fragen. Bei der Frage wie, wann und wieviel Enzyme man einnehmen sollte, wurde es lebhaft im Raum. "Ich kann das nicht verstehen, mein Arzt kann mir nicht erklären, warum ich Enzyme zu jeder Mahlzeit einnehmen soll." "Warum bekommen wir die 40.000  Kapseln zurzeit schwer in den Apotheken?" "Liegt es wirklich an fehlenden Schweinen, deren Bauchspeicheldrüse für die Herstellung der Enzyme geeignet ist oder eher an den Rabattverträgen?" Solche Fragen kamen wie aus der Pistole von den Betroffenen. Jede Frage konnte Frau Stedtler beantworten und dann zeigte sie uns Beispiele von Mahlzeiten und fragte, wieviel Enzyme dafür nötig seien. Jetzt war ich richtig stolz auf meine Gruppe, sie konnten fast alle Mahlzeiten mit der richtigen Menge der Einheiten berechnen. Man sah deutlich, wer neu in der Gruppe oder wer erst ein bis zwei Mal in der Gruppe war. Immer wieder konnte man an Hand der Beispiele feststellen, dass man eher großzügig mit der Einnahme sein sollte, man kann nicht überdosieren. Wenn man bei der Einnahme der empfohlenen Menge der Enzyme keinen Durchfall, keine übelriechenden Blähungen, kein Fettstuhl oder Völlegefühl hat, ist man meistens auf der sicheren Seite. An Hand einer ganz tollen Power-Point-Präsentation zeigte Frau Stedtler uns alles, was man zu diesem Thema wissen sollte.

Stundenlang hätten wir weiter zuhören oder diskutieren können, doch leider war die Zeit um und wir mussten so langsam den Heimweg antreten. Nun war es an der Zeit, Frau Stedtler für diesen wunderbaren Vortrag, die Beantwortung unserer Fragen und das tolle Gespräch von Herzen zu danken. Sie gab uns ihr Versprechen, dass sie wieder einmal in die Gruppe kommt, denn auch sie konnte heute einiges aus den Erfahrungen der Betroffenen mit nach Hause nehmen.

Ich für meinen Teil konnte mich ganz entspannt zurück lehnen, denn sonst muss ich dieses Thema bis zum Abwinken behandeln. Es tat gut, einmal nur zuzuhören und doch das eine oder andere dazu zu lernen.

Zum Schluss sprachen wir noch das Thema „Selbsthilfe als Fußvolk der Pharmaindustrie“ offen an. Ich berichtete, dass wir von TEB e.V. einen Vertrag mit der Fa. Mylan abschließen mussten, damit Frau Stedtler ihre Reisekosten erstattet bekommt. Ich fragte ganz provokant: "Ist das verwerflich? Haben ich oder Frau Stedtler Werbung gemacht?" Die Antwort war klar: die Gruppenteilnehmer fanden gut, dass Frau Stedtler zu uns kam. Einhellig brachten sie zum Ausdruck, dass keine Werbung für ein bestimmtes Enzympräparat gemacht wurde.

In der Zwischenzeit war es bereits 18.00 Uhr, als ich die Gruppe für diesen Nachmittag schloss und allen Teilnehmern einen guten Heimweg wünschte. Ein interessanter Nachmittag war zu Ende, eine ausgezeichnete Referentin hat uns für einige Stunden durch die Welt der Enzyme geführt. Doch wer glaubt, dass nun alle schnell nach Hause gingen, der irrt sich. Jetzt wurde weiter diskutiert und geplaudert. Es war dann 19.00 Uhr, als wir endlich im Auto saßen und nach Hause fuhren.

Katharina Stang