Medikamentöse Tumortherapie beim Pankreaskarzinom

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Bericht über die Vortragsveranstaltung
Thema: Medikamentöse Tumortherapie beim Pankreaskarzinom
Referent: Prof. Dr. Kunzmann (Uniklinikum Würzburg)
Freitag, den 16.03.2012 in der TEB Regionalgruppe Unterfranken

Erwartungsgemäß herrschte wieder ein großer Andrang, so dass der Raum bis auf den letzten Platz besetzt war. Nur durch das Herbeischaffen zusätzlicher Stühle konnten alle untergebracht werden. Dieses große Interesse ist besonders erfreulich, zeigt es doch, dass TEB e. V. mit seinen Veranstaltungen auf große Resonanz stößt.

Der Gruppenleiter, Herr Horcher, begrüßte die Teilnehmer und den Referenten, Herrn Prof. Dr. Kunzmann, und dankte allen für ihr Kommen, das Interesse und das Engagement. Danach gab er an Prof. Dr. Kunzmann zum Vortrag weiter.

Prof. Dr. Kunzmann erläuterte zunächst, dass die medikamentöse Tumortherapie bis zur Zulassung von Gemcitabine sehr schwierig gewesen sei. Erst mit Gemcitabine stand ein effektiver und nebenwirkungsarmer Wirkstoff zur Verfügung. Problematisch sei eben, dass der Tumor immer erst relativ spät entdeckt werde und irgendwelche Vorsorgeuntersuchungen nicht zur Verfügung stünden. Dabei müsse man von einer langsamen Entstehung des Tumors ausgehen (ein Zeitraum von etwa sieben Jahren). Mittlerweile hätten etwa 10.000 Patienten an medikamentösen Studien teilgenommen. Die Suche nach effektiven Wirkstoffen habe sich unglaublich schwierig gestaltet.

Der Referent ging dann auf die verschiedenen untersuchten Wirkstoffbereiche ein wie Antiangiogenese (VEGF), den Wachstumsfaktor EGFR, Cetuximab und Erlotinib. Zugelassen davon ist bislang nur Erlotinib. Eine Wirksamkeit von Erlotinib im Sinne einer Lebenszeitverlängerung (keine Heilung) bestehe aber nur, wenn innerhalb von vier bis acht Wochen ein Hautausschlag auftrete (Rash). Je intensiver der Hautausschlag, umso wirksamer sei Erlotinib. Wenn ein solcher Hautausschlag nicht auftritt, biete Erlotinib gegenüber der Monotherapie mit Gemcitabine keinen Vorteil und sei deshalb abzusetzen. Der Referent informierte ausführlich über die Nebenwirkungen von Erlotinib.

Mit der medikamentösen Tumortherapie sollte man innerhalb sechs Wochen nach der Operation beginnen. Von einer solchen Therapie profitieren aber nur 10 – 15 % der Patienten. Detaillierter ging der Referent dazu auf das Tumorstoma ein.

Anschließend stellte der Referent die beiden neueren Therapieoptionen, nämlich nab-Paclitaxel + Gemcitabine und Folfirinox vor. Auch hier informierte der Referent ziemlich ausführlich über die zu beachtenden Nebenwirkungen und deren Management. Bei Folfirinox kann die Polyneuropathie zum Problem werden.

Die supportiven Therapien beziehen sich auf: Aufrechterhaltung eines guten Ernährungszustands, eine effektive Schmerztherapie, die Behandlung eines auftretenden Aszites, die Einlage von Gallenwegstents, eine psychoonkologische Betreuung und den Sozialdienst.

Jede medikamentöse Tumortherapie ist letztlich abhängig vom Allgemeinzustand des Patienten (Karnofsky-Index). Die Festlegung der individuell sinnvollen Therapie kann erst nach Abklärung dieser Voraussetzung erfolgen. Damit schloss Prof. Dr. Kunzmann sein Referat.

In der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde wurde nunmehr eine Vielzahl von Fragen an den Referenten gestellt, die dieser möglichst ausführlich und laienverständlich beantwortete. Dabei ging es um die Nebenwirkungen von Tumortherapien und die individuelle Vorgehensweise bei Unverträglichkeit. Hier wies der Referent u. a. darauf hin, dass bei Unverträglichkeit von Folfirinox alternativ Folfiri angebracht sei, statt einer Dosisreduzierung von Folfirinox. Zur Therapie der Nebenwirkungen gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten. Viele Fragen betrafen die eigene Krankengeschichte.

Die Versammlung bedankte sich mit lang anhaltendem Beifall bei Prof. Dr. Kunzmann für das vorzügliche und besonders informative Referat und die ausführliche Beantwortung aller Fragen. Als der Gruppenleiter, Herr Horcher, sich abschließend bei allen Teilnehmern für ihr Kommen und ihr Interesse und sich beim Referenten für dessen Bereitschaft und Engagement bedankte und die Versammlung schloss, waren alle Anwesenden der einhelligen Meinung, viel erfahren und mitgenommen zu haben.

Joachim Horcher