Bewegung bei Diabetes Typ 3 c
Bewegung nach der Covid-Pandemie bei Typ 3 c Diabetes - was hat sich verändert?
Von Dr. med. Stephan Kress
Bewegung bleibt auch nach der Pandemie ein Garant für eine gute Blutzuckereinstellung, Verbesserung von Bodymassindex, Taillenumfang und Lebensqualität. (1)
Geschlossene Fitnessstudios und Sportvereine haben die Notwendigkeit von eigen-motiviertem Bewegungsverhalten aufgezeigt. Es hilft den Menschen mit Diabetes, ihre ambivalente Situation zu verbalisieren und sie autonom durch die Abwägung ihrer individuellen Gründe für und gegen die Bewegung aktiv zu einer bewussten Entscheidung zu führen.
Neben der intrinsischen Motivation ist der Bedarf für einen Trainingsplan mit 40 bis 60 minütigen Einheiten an 3-5 Tagen pro Woche oder 150 Minuten Training pro Woche deutlich geworden. Bewegungstherapiepläne sind derzeit noch nicht Standard der Diabetesbetreuung in den Praxen. Die Anwendung von Bewegungsplänen in Praxen würde besonders mehr Patienten mit Inaktivität und Adipositas erreichen. (2)
Es gibt keinen Schwellenwert für den positiven Effekt von körperlicher Aktivität. Das bedeutet: jede körperliche Aktivität ist besser als keine. Trotzdem liegt ein nicht-lineares Dosis-Wirkungs-Muster vor, so dass mehr Bewegung mehr bringt. (3)
Es ist bekannt, dass sitzende Tätigkeit und lange Arbeitszeiten zu einer Zunahme der Adipositas führen. (4)
Es wurden daher Ideen entwickelt, dieser nachteiligen Entwicklung entgegenzuwirken. So können kurzzeitige Sitzunterbrechungen durch körperliche Bewegung den postprandialen Blutzuckerwert besonders bei Menschen mit hohen BMI senken. Der Effekt ist ähnlich einem strukturierten aeroben Ausdauertraining wie Gehen, Laufen oder Radfahren. (5)
In der Kombination von Gehpausen und Fahrradfahren auf einem Pedaldesk über 3 Monate konnten Büroangestellte mit bisher zu wenig Bewegung das viszerale Fettgewebe und den Blutzucker im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant redu- zieren. (6)
Während der Covid-Pandemie haben sich viele einen Hund erworben. So kann der Hundebesitzer auch nach der Pandemie sein Bewegungsver- halten positiv beeinflussen. Untersuchungen zeigen, dass Hundebesitzer ca. 5-6mal/Woche für insgesamt 93-109 min/Woche spazieren gehen und damit erreichen sie in der Regel ≥30min körperliche Aktivität an mehr Tagen/Woche im Vergleich mit Nicht-Hundespaziergängern. (7)
Hundebesitzer hatten nicht nur bei allen Schrittzählerparametern (Schrittzahl, Aktivitätszeit, Distanz, Kalorien), sondern auch bei Schlafparametern und in den Bereichen allgemeine Gesundheit, körperliche Funktionsfähigkeit, soziale Funktionsfähigkeit, Schmerzen, Vitalität und emotionales Wohlbefinden signifikante Vorteile. Auch der BMI war in der Gruppe derer, die auf den Hund gekommen sind, signifikant niedriger. (8)
Der Besitz eines Hundes hat somit auch nach Corona einen positiven Einfluss auf die allgemeine körperliche Aktivität und Gesundheit.
Die Unterbrechung des Sitzens durch Stehen und leichtes Gehen verbesserte den 24-Stunden-Glukosespiegel und die Insulinsensitivität bei Personen mit Typ-2-Diabetes in größerem Maße als strukturiertes Training. Somit deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass eine Unterbrechung des Sitzens durch Stehen und leichtes Gehen eine Alternative zu strukturiertem Training sein kann, um die Blutzuckerkontrolle bei Patienten mit Typ-2-Diabetes zu fördern. (9)
Die Freude am individuellen Wandern in der Natur wurde in Covid-Zeiten neu entdeckt, wobei neben der Ausdauerfitness das Gleichgewicht bei unregelmäßigem Untergrund trainiert wird. (10)
Auch während der Covid-Pandemie wurden viele E-Bikes gekauft und viele haben dadurch mit dem Fahrradfahren erneut begonnen. Es gibt derzeit noch wenige Erkenntnisse über die Stoffwechseleffekte im Vergleich zu anderen Bewegungsformen. Erste Daten geben Hinweise auf eine Reduktion der Blutzuckerwerte und der Möglichkeit, Medikamente einzusparen. (11)
Literatur:
1) Shah SZA, Karam JA, Zeb A, Ullah R, Shah A, Haq IU, Ali I, Darain H, Chen H. Movement is Improvement: The Therapeutic Effects of Exercise and General Physical Activity on Glycemic Control in Patients with Type 2 Diabetes Mellitus: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Diabetes Ther. 2021 Mar;12(3):707-732. doi: 10.1007/s13300-021-01005-1. Epub 2021 Feb 5. PMID: 33547579; PMCID: PMC7947168.
2) Edward M. Phillips, Mary A. Kennedy American Academy of Physical Medicine and Rehabilitation Vol. 4, 818-825, November 2012 http://dx.doi.org/10.1016/j.pmrj.2012.09.582
3) Geidl W, Schlesinger S, Mino E, Miranda L, Pfeifer K. Dose-response relationship between physical activity and mortality in adults with noncommunicable diseases: a systematic review and meta-analysis of prospective observational studies. Int J Behav Nutr Phys Act. 2020 Aug 26;17(1):109. doi: 10.1186/s12966-020-01007-5. PMID: 32843054; PMCID: PMC7448980.
4) Virtanen M, Jokela M, Lallukka T, Magnusson Hanson L, Pentti J, Nyberg ST, Alfredsson L, Batty GD, Casini A, Clays E, DeBacquer D, Ervasti J, Fransson E, Halonen JI, Head J, Kittel F, Knutsson A, Leineweber C, Nordin M, Oksanen T, Pietiläinen O, Rahkonen O, Salo P, Singh-Manoux A, Stenholm S, Suominen SB, Theorell T, Vahtera J, Westerholm P, Westerlund H, Kivimäki M. Long working hours and change in body weight: analysis of individual-participant data from 19 cohort studies. Int J Obes (Lond). 2020 Jun;44(6):1368-1375. doi: 10.1038/s41366-019-0480-3. Epub 2019 Nov 25. PMID: 31767974; PMCID: PMC7260128.
5) Virtanen M, Jokela M, Lallukka T, Magnusson Hanson L, Pentti J, Nyberg ST, Alfredsson L, Batty GD, Casini A, Clays E, DeBacquer D, Ervasti J, Fransson E, Halonen JI, Head J, Kittel F, Knutsson A, Leineweber C, Nordin M, Oksanen T, Pietiläinen O, Rahkonen O, Salo P, Singh-Manoux A, Stenholm S, Suominen SB, Theorell T, Vahtera J, Westerholm P, Westerlund H, Kivimäki M. Long working hours and change in body weight: analysis of individual-participant data from 19 cohort studies. Int J Obes (Lond). 2020 Jun;44(6):1368-1375. doi: 10.1038/s41366-019-0480-3. Epub 2019 Nov 25. PMID: 31767974; PMCID: PMC7260128.