Phytotherapie bei Krebs
Bericht über die Veranstaltung am 30.10.2012 im CCC Mainfranken
Thema: "Phytotherapie bei Krebs"
Referentin: Frau Dr. Hübner
Mehrere Mitglieder unserer Regionalgruppe Unterfranken haben am 30.10.2012 die Veranstaltung "Phytotherapie bei Krebs" am CCC Mainfranken besucht. Da komplementärmedizinische Therapien, insbesondere auch die Phytotherapie, bei unserem Betroffenenkreis eine große Rolle spielen, viele auch hohe und übertriebene Erwartungen an diese Therapieform hegen, erwarteten wir vertiefende Informationen zu dieser Thematik mit großem Interesse.
Nach einer kurzen Begrüßung durch die Veranstaltungsleitung begann Frau Dr. Hübner, die uns schon aus der vorherigen Veranstaltung bekannt war, mit ihrem Vortrag. Die Referentin wies zunächst darauf hin, dass pflanzliche Wirkstoffe schon bei Chemotherapien (z. B. Taxane) zur Anwendung kämen. Die Ziele einer Phytotherapie seien aber regelmäßig supportiv, wobei aber Wechselwirkungen zur Tumortherapie zu berücksichtigen seien.
Zuerst würdigte die Referentin die beachtliche Bedeutung des Honigs bei Schleimhautentzündungen. Ein sehr breites Anwendungsfeld hat auch Cannabis bei Übelkeit, Appetitanregung, Gewichtsregulierung, Schmerzen und seelischen Beeinträchtigungen. Hier wurde aus dem Publikum die sehr zurückhaltende Anwendung durch Ärzte beklagt. Eine nachweislich hohe Auswirkung auf die Lebensqualität hat Ginseng, wobei aber von hohen Dosierungen auszugehen ist (ca. 3000 mg/d). Hier sind aber bei hormonabhängigen Tumoren die phytoöstrogenen Wirkungen zu berücksichtigen. Eine beachtliche Verbesserung habe Ginseng nach einer Studie auch bei der Fatigue gebracht (1000 - 2000 mg/d). Nach einer weiteren Studie sei bei Fatigue auch Guarana (2 x 50 mg/d) vorteilhaft, wobei im Gegensatz zu Ginseng keine Nebenwirkungen zu berücksichtigen wären. Als Leberschutz habe sich Mariendistel bewährt, das man während einer Chemotherapie einnehmen könne (300 mg/d). Eine direkte Wirkung gegen Krebs sei aber umstritten und nicht gesichert. Bei Blasenbeschwerden/Harnblaseninfekte habe sich Cranberry Saft bewährt. Bei Hitzewallungen empfehle sich bei Frauen Traubensilberkerze, bei Männern eher Salbei-Extrakt. Die bekannte Substanz Baldrian sei vorteilhaft bei Schlafbeschwerden (450 mg) und habe nach einer Studie auch das Befinden bei Fatigue gebessert.
Abschließend sprach die Referentin im Schnelldurchgang nunmehr eine Vielzahl weiterer Substanzen an (Spirulina, Uncaria, Heilpilze, Artemisia, Scutellaria usw.) sowie die TCM und Weihrauch, wobei sie darauf verwies, dass bei den meisten ein Wirkungsnachweis fehle, einige aber auch nicht ungefährlich seien. Der sehr informative und gründliche Vortrag wurde mit starkem Beifall bedacht. Eine kleine Befragung und Diskussion, die sich schon während des Vortrags ergeben hatte, schloss sich an.
Der Referentin ist zu danken, ein sehr schwieriges und auch sehr umfangreiches Thema gründlich und detailliert abgehandelt zu haben. Kritisch anzumerken bleibt allenfalls, dass Frau Dr. Hübner sehr stark auf den Wirkungsnachweis durch Studien fokussiert ist. Dies ist zwar einerseits vorteilhaft, weil es eine wissenschaftliche Absicherung in diese Thematik bringt, benachteiligt aber andererseits diejenigen Substanzen, über die es aus den verschiedensten Gründen noch keine Studien gibt, sondern allenfalls Erfahrungen.
Joachim Horcher