Jahr mit Höhen und Tiefen
Ein Jahr, das uns immer noch mit Corona und seinen Folgen in Atem hielt und uns vor Herausforderungen stellte, die schon mehr als einfach zu bewältigen waren. Immer wieder wurden wir gezwungen, Veranstaltungen abzu- sagen, neue Ideen zu entwickeln, neues zu gestalten und auch neu zu organisieren. Dabei war es uns wichtig, dass wir unsere Aufgaben und Ziele nicht aus den Augen verlieren und immer für unsere Betroffenen und Angehörigen ein kompetenter Ansprechpartner blieben.
Allmählich hatten wir uns auch mit dem Thema Corona abgefunden und hier gangbare Lösungen gefunden, mit denen wir umgehen konnten. Die Geschäftsstelle wurde nach den Hygienevorschriften eingerichtet, um unsere Mitarbeiter zu schützen. Beratungen wurden nur noch telefonisch und seit neuestem nach den 3-G-Regeln durchgeführt, Gruppentreffen wurden bis zum 01.01.22 abgesagt. Stattdessen gab es Online-Gruppen, Veranstaltungen wie wie Ärzte- und Patientenseminar, Patienteninformationstag mit der Universität Göttingen und der Welt-Pankreaskrebstag wurden ebenfalls online abgehalten. Pünktlich erschien das TEB Magazin.
Doch wer glaubt, dass die Arbeit weniger wurde, der irrt sich. Zu den vielen telefonischen Beratungen, Online-Gruppen, Online-Veranstaltungen, Einladungen über Zoom kamen auch noch wichtige Projekte hinzu, die wir alle zusätzlich abwickeln mussten. Ehrlich gesagt, das alles hätte gereicht, um am Ende des Jahres sagen zu können, das Jahr 2021 war wieder ein arbeitsintensives aber auch ein sehr erfolgreiches Jahr. Mit dieser Aussage hätten wir wieder positiv ins neue Jahr starten können.
Doch wie so oft kommt es ganz anders und plötzlich steht man vor großen Problemen, Herausforderungen und Entscheidungen, an die man überhaupt nicht gedacht hatte.So erging es uns auch mit der plötzlich und völlig unerwarteten Kündigung unserer Geschäftsstelle zum 31.12.2021. Die Kündigung hätten wir nur vermeiden können, wenn wir die drastische Mieterhöhung und einen neuen Mietvertrag, der viel schlechter war als der bisherige, unter- schrieben hätten. Wir hätten in dem neuen Vertrag jederzeit gekündigt werden können und auch Kosten übernehmen müssen, die so niemals vereinbart wurden. Es war ein regelrechter Knebelvertrag!
Noch heute kann ich mich daran erinnern, als ich die Email von unserer Vermieterin las, mit der wir bisher ein sehr vertrautes und sehr harmonisches Mietverhältnis hatten. Ich konnte zuerst gar nicht verstehen, was da geschrieben stand, wiederholt las ich die Email und nahm meinen Mann zu Hilfe. Ich wollte und konnte nicht glauben, was hier geschrieben stand. Für ein paar Minuten hatte ich das Gefühl, mir sacken die Beine weg und ich verlor den Boden unter den Füßen. Regungslos stand ich da, ich konnte keinen klaren Gedanken fassen, war auch zu keiner Reaktion fähig. Ich war wie gelähmt. Ich weiß nicht mehr, wie lange der Zustand der totalen Hilflosigkeit anhielt und ich wieder einigermaßen klar denken konnte.
Mein Kopf und meine Gedanken drehten sich und damit auch die Gedanken, die sich immer wieder mit den Themen: Kündigung warum und wieso? Wie geht es mit TEB e. V. weiter? Was passiert mit unseren Mitarbeitern? Wie sage ich es unseren Mitgliedern? Finden wir wieder geeignete und bezahlbare Räume? Wer hilft uns finanziell? Können mein Mann und ich nochmals eine solche Last, die durch einen Umzug zwangsläufig entsteht, tragen?
Alles Fragen, auf die ich keine Antworten hatte und doch musste ich das tun, was man von einer ehrenamtlichen Geschäftsführerin und 1. Vorsitzenden erwartet.
Ich funktionierte und machte zunächst das, was notwendig und wichtig war: Ich schrieb an die Vermieterin und teilte ihr mit, dass ich laut unserer Satzung nicht alleine unterschriftsberechtigt bin, wenn es um Verträge geht und sie sich gedulden müsse. Auch wenn die Mieterhöhung und der neue Vertrag bereits einen Tag später in Kraft treten sollten. Dann informierte ich den Vorstand und rief eine außerordentliche Vorstandssitzung innerhalb von wenigen Tagen ein. In dieser Sitzung wurde beschlossen, dass wir uns rechtlichen Beistand einholen, um abzuklären, ob die Kündigung so rechtswirksam ist.
Der Vorstand beauftragte mich und Herrn Hölsch (Vorstandsmitglied), sich dieser Sache anzunehmen, nachdem wir bei einem Rechtsanwalt waren und uns dieser mitteilte, dass die Kündigung im Gewerbe anders als im privaten ist und sie auch rechtens ist. Er stellte uns die Frage, ob wir das Mietverhältnis trotz erheblichem Vertrauensverlust fortsetzen oder nach neuen Räumen suchen wollen.
Über den Ausgang des Gesprächs informierten wir gemeinsam in eine Online-Sitzung den Vorstand. Der Vorstand entschied mehrheitlich, dass wir nach neuen Räumen suchen sollen, er war der Auffassung, dass das Vertrauensverhältnis für immer gestört ist.
Jetzt machten wir uns auf die Suche, Herr Hölsch wurde wieder vom Vorstand beauftragt, in seinem Namen alles Notwendige mit mir und meinem Mann in die Wege zu leiten. Wir gingen auf Bürosuche und fanden gleich mehrere Projekte, die wir uns anschauten, nicht jedes entsprach unseren Erwartungen: entweder war es zu klein, ohne Aufzug, zu dreckig oder einfach zu teuer.
Dann fanden wir das Büro in der Karlstraße 42, 71638 Ludwigsburg, es entsprach in vielen Dingen unseren Erwartungen. Herr Hölsch und ich informierten wieder den Vorstand und wir baten um Zustimmung. Einstimmig wurde das Büro genommen und anschließend der Mietvertrag unterschrieben. Hier an dieser Stelle sage ich ganz herzlichen Dank an den gesamten Vorstand. Offen, ehrlich, konstruktiv und beharrlich hat mich der Vorstand mit Rat und Tat unterstützt.
Jetzt hatten wir ein Büro, sofort fingen die Planungen und die Organisation an. Bis ins Detail und minutiös wurden Angebote und die Termine für diverse Arbeiten wie z. B. Vernetzung Internet, Elektriker, Telekom und Umzugsfirma eingeholt und ausgemacht.
Es war soviel Arbeit im Vorfeld zu erledigen, der Keller musste geräumt werden, das neue Lager musste eingerichtet werden. 411 m LAN-Kabel wurden über die Decke in die jeweiligen Räume zu den verschiedenen Steckdosen, die auch neu installiert werden mussten, verlegt. Kiste für Kiste wurde ein- und ausgepackt.Noch immer können wir es nicht glauben, keiner hat uns im Stich gelassen, alles verlief planmäßig und wir waren genau im Zeitplan.
Der 28.10.2021 war der Tag des Umzugs. Pünktlich um 8 Uhr kamen 10 Arbeiter der Umzugsfirma und fingen sofort an zu arbeiten. Es ging wie in einem Taubenschlag, der eine packte das Geschirr ein, der andere verpackte Computer, Fax, Drucker, Schränke usw. Alles, was irgendwie zu tragen war, wurde mit Folie umwickelt und die vielen Treppen heruntergetragen. Diese Menschen haben wirklich Schwerstarbeit geleistet. Dreieinhalb Stunden später waren 120 Kisten gepackt und alle Möbel auf dem LKW. Zurück blieben nur ein paar Bilder, Steckböden und Kleinigkeiten.Kaum sind wir in der neuen Geschäftsstelle angekommen, ging es genauso hektisch weiter. Schränke wurden in die zugehörigen Räume gestellt und wieder eingeräumt, leider konnten nicht alle Kisten aus- und eingeräumt werden, da uns in vielerlei Hinsicht die Hände gebunden waren. So war die Kochnische noch nicht eingebaut und verschiedene Regale standen auch noch nicht. Es blieb nichts anderes übrig, als diese Kisten irgendwohin zu stapeln und später erst auszuräumen. Um 14.30 Uhr war der Umzug vollzogen, nach einem gemeinsamen Essen verabschiedeten sich die Arbeiter und wir fingen wieder an, das Chaos zu beseitigen.
Tagelang haben wir Regale und Schränke aufgebaut, verschoben, Küche aufgebaut und nach und nach die Kartons ausgeräumt. Danach mussten wir unzählige Folien und Umzugskartons entsorgen, weil die Umzugsfirma diese nicht mehr mitnahm.
Völlig platt gingen mein Mann und ich jeden Abend nach Hause, obwohl wir auch Helfer hatten wie z. B. Herr Hölsch, Herr Mücke, Herr Weihs und Frau Fremgen.
Doch wie kann es anders sein: Der Planer, Organisator, Ansprechpartner und Macher ist und bleibt mein Mann. Ohne ihn wäre es nicht gegangen.
Katharina Stang