Workshop Entspannungsmethode in der Geschäftsstelle

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Dipl.-Psych. Sylvia Broeckmann
Pforzheimer Str. 377
70499 Stuttgart

Entspannungsverfahren
„Ich bin so im Streß“ ist ein häufig benutztes Wort in unserem Alltag. Meist meinen wir damit, daß wir uns überlastet fühlen. Aber ein gewisses Ausmaß an „Streß“, das heißt auch Herausforderung, Anforderung, ist gesund. Dauerhaft gar keinen Streß zu haben, würde bedeuten, daß wir ständig schlafen. Allerdings: was jemand als Streß empfindet, hängt von der Person, ihren Einstellungen (führt z.B. eine bestimmte Musik bei mir zu Entspannung oder zu Streßerleben?), ihren Fähigkeiten (fühle ich mich dieser Aufgabe gewachsen?) usw. ab.

Was passiert im Körper, wenn wir einer Streßsituation ausgesetzt sind? Der Körper schüt-tet dann verschiedene Stoffe aus, insbesondere Adrenalin und Noradrenalin sowie Cortisol. Der Körper wird damit in die Lage versetzt, rasch zu reagieren. Diese unwillkürliche Reaktion stammt noch aus den frühen Tagen der Menschheit.

Stellen Sie sich vor, Sie begegnen einem Bären und müssen auf der Stelle entscheiden, ob Sie fliehen oder kämpfen. Für beides wird der Körper in Sekundenschnelle vorbereitet: der Blutdruck steigt, das Herz schlägt schneller, Blutzucker wird als Energielieferant aus-geschüttet, die Muskeln spannen sich an, die Atmung wird beschleunigt, die Schmerztole-ranz steigt. Das sympathische Nervensystem ist aktiv.

In dieser Phase muß alles zurückstehen, was durch den Parasympathikus aktiviert wird, weil es nicht unmittelbar zum Überleben nötig ist, z.B. die Verdauung und die Libido.

Angelegt ist dieses System so, daß auf die rasche Aktivierung eine längere Erholungsphase folgt, in der der Körper wieder „runterkocht“. Wenn nun die Stressoren rasch aufeinan¬der folgen, hat der Körper nicht genug Zeit zur Erholung. Das System schaukelt sich hoch und auf Dauer folgen durch die ständige Überlastung typische Symptome und Erkrankungen wie z.B. muskuläre Verspannungen, arterielle Hypertonie, koronare Herzkankheiten etc.

Hier setzen nun die Entspannungsverfahren an: sie helfen, sich nach einer Belastung schneller wieder zu erholen, so daß der nächste Stressor einen erholteren Menschen trifft - manchmal empfindet man auch eine Belastung gar nicht so arg, wenn man ausgeruhter ist.

Vorweg: für die körperliche Entspannung ist es egal, welches Verfahren Sie wählen. Die körperliche Reaktion ist immer gleich. Wichtiger ist, daß Sie sich mit dem von Ihnen ge-wählten Verfahren wohlfühlen und es zu Ihnen und Ihrem Alltag paßt.

Die klassischen Verfahren sind:
1. PMR (Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen)
2. AT (Autogenes Training nach Schultz)
3. Körperwahrnehmungsübungen
4. Phantasiereisen
5. Meditation
6. Yoga
7. Qi Gong
8. Tai Qi
9. Feldenkrais


Während die ersten fünf „diskret“ im Alltag gemacht werden können, weil man äußerlich kaum etwas sieht, brauchen die letzten vier Ruhe und einen Raum, wo man zunächst ungewohnte Bewegungen möglichst unbeobachtet machen kann. Lernen können Sie die meisten Verfahren z.B. in der Volkshochschule oder bei den Krankenkassen.

Und nicht vergessen sollte man natürlich die ganz persönlichen Entspannungsmethoden, die jede und jeder für sich hat: baden, spazieren gehen, Musik hören, kochen, bügeln ... Lassen Sie sich nicht dadurch irritieren, daß andere das gar nicht verstehen können („Wie kannst Du Dich bei der Musik entspannen??“ oder „Bügelnd entspannen???“) - wichtig ist nur, ob es für Sie persönlich paßt.