Onkologische Nachsorge

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Ein Betroffener berichtet über eine onkologische Nachsorge.

Ein Traum wird zum Albtraum.

Ein Bericht von P. J., an die TEB e.V. Selbsthilfegruppe Baden- Württemberg über eine onkologische Nachbehandlung nach einer Totalresektion von Magen, Milz sowie einer Pankreas- Kopfresektion.

Wie toll würde es sich anhören, nach den vielen Wochen der Leiden, Entbehrungen und Ratlosigkeit, Hilfe zu bekommen, die die Zeit „danach“ beträfen. So oder so ähnliche Gedanken hatte ich immer wieder.
Alle Ärzte der Onkologie sowie meinen Hausarzt konnte ich für meine Idee, an einer Reha-Maßnahme teilzunehmen wohl gewinnen, aber überzeugen vermutlich nicht. Ebenso oder so ähnlich verhielten sich die Vorsitzende von TEB e.V und einige Gruppenmitglieder unserer Gruppe. In allen Gesprächen habe ich im Nachhinein die Feststellung gemacht, dass von einer gewissen Skepsis der Ärzte und den TEB Mitgliedern auszugehen war.

Die T-Klinik. in B-M. sollte es sein. Diese Adresse wurde mir von drei ehemaligen Patienten dieser Klinik empfohlen. Leider kam es anders, wie so oft im Leben!

Meine Frau wollte ich unbedingt dabei haben, um bei Diätberatungen und diversen Kochvorschlägen präsent zu sein. Wir dachten:“ Vier Ohren hören mehr als zwei“.

Ein Doppel- bzw. ein zusätzliches Patientenzimmer stand nicht zur Verfügung. Somit musste ich die Empfehlung der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg annehmen, die die Reha-Klinik O.d.T. empfahl.
Ich wäre gut beraten gewesen, wenn ich den zweiten Vorschlag abgelehnt und von meinem Rehaplänen Abstand genommen hätte. Ich hätte mir eine Enttäuschung und der Deutschen Rentenversicherung viel Geld erspart.
Ach ja, Geld - meine Frau musste für drei Wochen Aufenthalt rund 1000,00 Euro zahlen und dass in einem Zimmer, das wohl als Einzelzimmer geplant war.

Diese Reha, die eine onkologische Nachsorge darstellen sollte, war für mich fast täglich Horror. Vorrangig wurden Stoffwechselstörungen behandelt. Vor den Mahlzeiten bildeten sich Menschenschlangen vor den Labors zur Blutzuckerbestimmung.
Der Anblick dieser, teilweise nur wenig bekleideten Patienten, war schon gewöhnungsbedürftig, da es um Personen mit der Konfektionsgröße XXL ging.
Wie sagte eine Ärztin mir an anderer Stelle, alles „angefressen“. Sicher waren auch Patienten dabei, die krank waren.

Für mich wurde ein Plan für die zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten erstellt, der meinen Vorstellungen einer sinnvollen und erfolgversprechenden onkologischen Nachsorge in keiner Weise entsprach.

Insgesamt wurden mir

  • Dreimal Bauchdeckengymnastik,
  • Dreimal Tumorgespräche
  • Einmal Wassergymnastik
  • Dreimal Ergometer
  • Einmal Krafttraining
  • Einmal Diätberatung
  • Zwei Wanderungen von ca. 5km

verordnet.

Einige der Anwendungen waren angebracht, andere dagegen wie z. B. die Gesprächsgruppe für Tumorerkrankte, waren zu psychologisch geprägt und für mich schwer verständlich. Ergometer und Krafttraining wenig sinnvoll bzw. völlig sinnlos.

Die Hoffnung auf eine halbwegs erfolgversprechenden Rehamaßnahme nahm dann am letzten Aufenthaltstag ein endgültiges Ende, nachdem mir eine Ärztin ein bestimmtes Medikament, das für mich anscheinend wichtig sei, einfach wieder absetzte, obwohl es mir 10 Tage vorher verordnet wurde.
Da ich als Tumorpatient sehr mit den Nebenwirkungen eines Medikaments zu kämpfen habe, sollte man sich genau überlegen, ob es notwendig ist oder nicht.
Anstatt dass ich mein Gewicht aufgebaut hätte, ging es während der drei Wochen nochmals zwei Kilo ins Minus.
Nach meiner Operation sind mir insgesamt zweiundzwanzig Kilo abhanden gekommen, die ich nach meiner jetzigen Erfahrung nicht mehr aufholen kann. Doch schweißtreibende und kraftaufwändige Trainingseinheiten sind für mein Verständnis völlig konträr.
Ich persönlich habe großes Verständnis für umfangreiche Rehamaßnahmen bei Personen, die Unfälle und Operationen an Knochen und Gelenken erlitten haben und wieder für den Alltag motiviert werden müssen und vielleicht wieder ins Berufsleben zurückkehren. Eine onkologische Nachsorge wie ich sie hier in der Klinik erleben und erfahren musste, würde ich in Zukunft ablehnen.
Wenn ich die Kosten zusammenrechne, die die Deutsche Rentenversicherung für mich und die Kosten, die ich aus eigener Tasche für meine Frau aufgewendet habe, dann
hätten wir uns dafür einen Luxusurlaub leisten und ich hätte mindestens Ruhe und Kraft schöpfen können, um meine Lebensqualität erhalten oder zu verbessern.

Das Angenehmste an diesem von mir beschriebenen Reha-Aufenthalt war die Heimreise durch das, aus dem Winterschlaf erwachten, blütenreichen, hohenloischen Land.

Zu weiteren Auskünften stehe ich gerne zur Verfügung, bitte setzen Sie sich mit TEB e. V. in Verbindung.

P. J.